Über 700 Sennalpen, 150 Jahre Tradition und der beste Bergkäse der Alpen: Die Allgäuer Käsekultur ist UNESCO-Welterbe und ein Erlebnis für alle Sinne.
Das Allgäu – Deutschlands Käse-Hochburg
Wenn es ein Lebensmittel gibt, das untrennbar mit dem Allgäu verbunden ist, dann ist es der Käse. Über 700 Sennalpen und Käsereien produzieren hier eine Vielfalt an Käsesorten, die ihresgleichen sucht: vom milden Butterkäse über den würzigen Bergkäse bis zum kräftigen Allgäuer Emmentaler mit seinen charakteristischen großen Löchern. Die Tradition der Alpkäserei reicht über 150 Jahre zurück und wurde 2023 in die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen.
Was den Allgäuer Käse so besonders macht, ist die Kombination aus Höhenlage, Artenvielfalt der Almwiesen und traditioneller Handwerkskunst. Die Kühe grasen im Sommer auf Bergweiden in 1.000 bis 1.800 Metern Höhe, wo über 150 verschiedene Kräuter und Gräser wachsen – weit mehr als auf einer Talwiese. Diese Kräutervielfalt gibt der Milch ihren einzigartigen, aromatischen Geschmack, der sich im fertigen Käse wiederfindet.
Berg-Sennerei Gunzesried
In der Berg-Sennerei Gunzesried im gleichnamigen Seitental bei Blaichach kann man die Käseherstellung hautnah erleben. Durch ein großes Schaufenster beobachtet man, wie der Senner die frische Milch in einem kupfernen Kessel erwärmt, das Lab hinzufügt (ein natürliches Enzym, das die Milch zum Gerinnen bringt), den Bruch mit der Käseharfe schneidet und die Masse in schwere Formen presst. Der intensive Geruch frischer Milch und die feuchte Wärme der Käserei erzeugen eine Atmosphäre, die an längst vergangene Zeiten erinnert.
Im angeschlossenen Laden gibt es die Produkte direkt vom Hersteller: Bergkäse in verschiedenen Reifegraden (von 3 Monaten „jung" bis über 12 Monaten „alter Bergkäse"), cremiger Weichkäse, würziger Allgäuer Emmentaler und frische Butter, die man aufs Brot streichen und sofort probieren kann. Frischer geht es nicht – die Milch kommt von den Höfen im Tal und wird innerhalb weniger Stunden verarbeitet.
Käsemarkt Bad Hindelang
Der Käsemarkt in Bad Hindelang ist weit mehr als ein gewöhnlicher Markt – er ist ein kulinarisches Fest, das Käseliebhaber aus der gesamten Region anzieht. Hier treffen sich Senner und Käser aus den umliegenden Tälern und präsentieren ihre besten Erzeugnisse: Bergkäse, Emmentaler, Romadur, Weichkäse und regionale Spezialitäten, die es in keinem Supermarkt gibt.
Das Besondere am Käsemarkt ist die Möglichkeit, direkt mit den Erzeugern zu sprechen und von Alpe zu Alpe zu probieren. Jeder Käse schmeckt anders, je nachdem auf welcher Alpe die Kühe geweidet haben, welche Kräuter dort wachsen und wie der Senner seinen Käse bereitet. Neben dem Käse gibt es auch eine eigene Eismanufaktur, die Eis aus frischer Alpenmilch herstellt – in Geschmacksrichtungen wie Bergkäse-Karamell, Honig-Walnuss und Allgäuer Heumilch-Vanille.
Käse-Wissen: Vom Gras zum Käse
Der Weg vom saftigen Almgras zum fertigen Bergkäse ist ein faszinierender Prozess, der sich über Monate erstreckt. Im Frühjahr werden die Kühe auf die Alpen getrieben (Alpauftrieb), wo sie den ganzen Sommer über auf den kräuterreichen Bergweiden grasen. Zweimal täglich wird gemolken, und die frische Milch wird direkt auf der Alpe zu Käse verarbeitet – morgens und abends, sieben Tage die Woche.
Jung (3-4 Monate): Mild, cremig, leicht nussig – perfekt aufs Brot
Mittlere Reife (6-8 Monate): Würzig, fester Teig – ideal zum Überbacken
Alter Bergkäse (12+ Monate): Kräftig-würzig, bröckelige Textur – pur genießen
Alpkäse: Nur im Sommer auf der Alpe hergestellt – die Königsklasse
Tipp: Bergkäse immer bei Zimmertemperatur servieren – erst dann entfaltet er sein volles Aroma



