Breitachklamm – Naturwunder im Allgäu erleben

Breitachklamm – Naturwunder im Allgäu erleben

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Die Breitachklamm zwischen Oberstdorf und dem Kleinwalsertal ist die tiefste und imposanteste Felsenschlucht Mitteleuropas. Ein Naturwunder, das man im Sommer und Winter erleben kann.

Die tiefste Felsenschlucht Mitteleuropas

Die Breitachklamm zwischen Oberstdorf und dem Kleinwalsertal gehört zu den spektakulärsten Naturdenkmälern der Alpen. Über Jahrtausende hat sich die Breitach – ein wilder Gebirgsfluss – durch den Fels gegraben und eine bis zu 150 Meter tiefe Schlucht geschaffen, die in ihrer Dramatik europaweit einzigartig ist. Seit 1905 ist die Klamm für Besucher zugänglich, und seitdem zieht sie jährlich über 300.000 Menschen in ihren Bann.

Was die Breitachklamm von anderen Schluchten unterscheidet, ist die schiere Dimension: Die Felswände ragen teils senkrecht, teils überhängend empor, und an manchen Stellen ist der Himmel nur noch als schmaler Streifen sichtbar. Das Wasser donnert mit enormer Kraft durch die Engstellen, sprüht Gischt in die Luft und hat im Laufe der Jahrtausende bizarre Formationen in den Fels geschliffen – Strudellöcher, Kolke und glatte Rinnen, die wie von einem Bildhauer gearbeitet wirken.

Sommer – Die grüne Klamm

Im Sommer zeigt sich die Breitachklamm in ihrer kraftvollsten Form. Das Schmelzwasser der Gletscher und Schneefelder füllt die Breitach mit enormen Wassermengen, und der Fluss rauscht und tobt durch die Schlucht. Die Felswände sind mit Moos und Farnen bewachsen, dazwischen tropft Wasser von überhängenden Felsnasen. Die Luft in der Klamm ist immer einige Grad kühler als draußen, was sie an heißen Sommertagen zu einem willkommenen Zufluchtsort macht.

Der Weg durch die Klamm führt über stählerne Stege und Brücken, die teilweise direkt in die Felswand eingelassen sind. An mehreren Aussichtspunkten kann man innehalten und die Kraft des Wassers bestaunen. Besonders eindrucksvoll ist die engste Stelle der Klamm, wo die Felswände auf nur wenige Meter zusammenrücken und das Tosen des Wassers ohrenbetäubend wird. Hier spürt man die Urgewalt der Natur mit jedem Atemzug.

Die Durchquerung der Klamm dauert etwa 30 bis 40 Minuten. Es gibt zwei Eingänge: den unteren am Parkplatz Tiefenbach (Oberstdorfer Seite) und den oberen an der Walserschanz (Grenze zum Kleinwalsertal). Wer die volle Erfahrung möchte, startet unten und geht nach oben – so folgt man dem Flusslauf und steigert sich von den breiteren Passagen zu den engsten, dramatischsten Stellen.

Winter – Der Eispalast

Im Winter verwandelt sich die Breitachklamm in ein Märchenland aus Eis und Schnee. Meterhohe Eiszapfen hängen wie Stalaktiten von den Felswänden, gefrorene Wasserfälle glitzern im schwachen Licht, und die Atmosphäre wird fast mystisch. Die Geräuschkulisse verändert sich: Statt des sommerlichen Tosens hört man das leise Knacken und Knirschen des Eises, das sich unter dem Druck des eingeschlossenen Wassers bewegt.

Die Winter-Begehung der Klamm ist ein völlig anderes Erlebnis als im Sommer. Die Wege können stellenweise vereist sein, daher sind Winterwanderschuhe mit guter Profilsohle oder Grödel empfehlenswert. Die Klamm ist auch im Winter geöffnet, wobei die Zugänge bei extremem Frost oder Lawinengefahr kurzfristig gesperrt werden können. Ein Besuch am späten Vormittag bietet das beste Licht, wenn die Sonnenstrahlen das Eis zum Leuchten bringen.

Anfahrt, Preise und Tipps

Von Oberstdorf aus ist die Klamm in wenigen Minuten mit dem Auto erreichbar. Der Parkplatz Tiefenbach (unterer Eingang) bietet rund 200 Stellplätze. Alternativ fährt der Ortsbus regelmäßig von Oberstdorf zum unteren Eingang. Der Eintritt beträgt für Erwachsene circa 7 Euro, ermäßigt 3 Euro. Eine Kombination mit dem Kleinwalsertal ist möglich: Man geht die Klamm nach oben und fährt mit dem Bus über die Walserschanz zurück.

  • Öffnungszeiten: Ganzjährig, ca. 9:00 – 17:00 Uhr (Winter bis 16:00)

  • Gehzeit: ca. 30-40 Minuten pro Richtung

  • Schwierigkeit: Leicht, aber festes Schuhwerk erforderlich

  • Kinderwagen: Nicht geeignet (Treppen und enge Stege)

  • Hunde: Angeleint erlaubt

  • Tipp: Im Sommer früh morgens oder am späten Nachmittag besuchen

Die Breitachklamm ist eines jener Naturwunder, die man mindestens zweimal besuchen sollte – einmal im Sommer, um die rohe Kraft des Wassers zu erleben, und einmal im Winter, um in die stille, funkelnde Eiswelt einzutauchen. Beides zusammen ergibt ein vollständiges Bild dieses geologischen Meisterwerks.

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