Der Schrecksee auf 1.813 Metern gilt als einer der schönsten Bergseen Europas. Die Wanderung ab Hinterstein ist anspruchsvoll, wird aber mit einem Anblick belohnt, den man nie vergisst.
Der Schrecksee – Ein türkisfarbenes Juwel in den Allgäuer Alpen
Auf 1.813 Metern Höhe, eingebettet in einen Kessel aus schroffen Felswänden und saftig grünen Almwiesen, liegt der Schrecksee – einer der spektakulärsten Bergseen der gesamten Alpen. Sein türkisfarbenes bis smaragdgrünes Wasser, das je nach Lichteinfall und Jahreszeit seine Farbe wechselt, und die kleine grasbewachsene Insel in seiner Mitte machen ihn zu einem der meistfotografierten Naturwunder im Allgäu. Doch kein Foto wird dem Anblick gerecht, der sich einem bietet, wenn man nach dem anstrengenden Aufstieg den Grat erreicht und plötzlich auf den See hinunterblickt.
Der Schrecksee liegt im Naturschutzgebiet Allgäuer Hochalpen und ist ausschließlich zu Fuß erreichbar. Es gibt keine Bergbahn, keine Forststraße, keine Abkürzung – nur den eigenen Willen und die eigenen Beine. Und genau das macht den Reiz dieser Tour aus: Der Schrecksee muss verdient werden, und wer ihn erreicht, wird mit einem Erlebnis belohnt, das man so schnell nicht vergisst.
Die Route im Detail
Start ist der Wanderparkplatz in Hinterstein im Hintersteiner Tal bei Bad Hindelang. Der Parkplatz ist gebührenpflichtig (ca. 5 Euro) und in der Hochsaison ab etwa 8 Uhr voll – daher empfehlen wir dringend einen frühen Start. Von dort folgt man zunächst der Straße und dem breiten Schotterweg ins Tal hinein. Nach etwa 30 Minuten zweigt der Weg zur Willersalpe ab und beginnt zu steigen.
Der Aufstieg zur Willersalpe (1.456 m) führt durch lichten Bergwald und über blühende Almwiesen. Die bewirtschaftete Alpe bietet Getränke, Brotzeit und selbstgemachten Kuchen – eine perfekte Zwischenstation für eine kurze Rast. Hier kann man Kräfte sammeln, denn der anspruchsvollste Teil der Tour beginnt erst jetzt.
Der alpine Abschnitt
Ab der Willersalpe wird der Weg deutlich steiler und alpiner. Über felsige Passagen, steile Grashänge und vereinzelte Drahtseile geht es in Serpentinen hinauf zum Schrecksee-Grat. Trittsicherheit ist hier absolut erforderlich – der Weg ist an einigen Stellen ausgesetzt, und bei Nässe können die grasigen Hänge rutschig werden. Wanderstöcke sind eine große Hilfe und dringend empfohlen.
Der letzte Abschnitt zum Grat ist der steilste und erfordert volle Konzentration. Doch dann – nach etwa 2,5 bis 3 Stunden Aufstieg – erreicht man die Gratschulter, und der Blick öffnet sich: Unter einem liegt der Schrecksee in seiner ganzen Pracht, umrahmt von den steilen Wänden des Krinnenspitze und des Kastenkopfs. Dieser Moment, wenn man zum ersten Mal den See erblickt, ist einer der magischsten in den gesamten Alpen. Viele Wanderer bleiben minutenlang stehen und können den Blick nicht abwenden.
Am See – Ruhe und Staunen
Vom Grat steigt man in wenigen Minuten zum Ufer des Sees ab. Hier kann man sich auf einen der Felsen setzen, die müden Füße ins eiskalte Wasser tauchen (die Wassertemperatur liegt auch im Hochsommer bei nur 10 bis 14 Grad) und die Stille genießen. Die Insel in der Mitte des Sees, die je nach Wasserstand mehr oder weniger groß ist, ist ein beliebtes Fotomotiv.
Schwimmen ist grundsätzlich erlaubt, aber das Wasser ist kalt – wirklich kalt. Wer sich traut, wird mit einem unvergesslichen Badeerlebnis belohnt, aber mehr als ein kurzes Eintauchen halten die meisten nicht aus. Das Gebiet ist Naturschutzgebiet, was bedeutet: kein Müll, kein Lärm, kein Camping, kein offenes Feuer. Die Natur hier oben ist fragil und verdient unseren absoluten Respekt.
Abstieg und Varianten
Der Abstieg erfolgt auf dem gleichen Weg und dauert etwa 2 bis 2,5 Stunden. Eine lohnende Variante ist die Überschreitung zum Landsberger Hütte (eine der schönsten Berghütten der Region), von der man über den Vilsalpsee nach Tannheim in Österreich absteigen kann. Diese Variante macht die Tour zur Zweitagestour und erfordert eine Übernachtung auf der Landsberger Hütte.
Tipps und Ausrüstung
Start: Möglichst vor 7 Uhr – Parkplatz wird schnell voll
Gehzeit: Ca. 3 Stunden Aufstieg, 2-2,5 Stunden Abstieg
Höhenmeter: Ca. 1.000 hm im Aufstieg
Schwierigkeit: Mittelschwer bis schwer (Trittsicherheit erforderlich)
Ausrüstung: Bergschuhe mit guter Profilsohle, Wanderstöcke, Regenjacke
Verpflegung: Ausreichend Wasser (min. 2 Liter) und Proviant mitnehmen
Einkehr: Willersalpe (nur auf dem Hin-/Rückweg)
Wetter: Nur bei stabiler Wetterlage starten – Gewitter am Grat lebensgefährlich
Beste Zeit: Juni bis Oktober (im Frühsommer Schneereste möglich)
Wer sich die Tour nicht allein zutraut, kann eine geführte Wanderung buchen. Ein Bergführer kennt nicht nur den sichersten Weg, sondern kann auch die Flora, Fauna und Geologie der Region erklären – eine Bereicherung, die den Aufstieg noch lohnender macht.
Haeufig gestellte Fragen
Die Tour dauert insgesamt ca. 5–6 Stunden (Hin- und Rückweg). Der Aufstieg ab Hinterstein beträgt etwa 1.000 Höhenmeter.
Baden ist grundsätzlich erlaubt, allerdings ist das Wasser auch im Sommer sehr kalt (ca. 10–14 °C). Das Gebiet ist Naturschutzgebiet – bitte keinen Müll hinterlassen.


