Die Starzlachklamm bei Sonthofen ist ein echter Geheimtipp unter den Allgäuer Schluchten. Weniger überlaufen als die Breitachklamm, aber mindestens genauso beeindruckend – mit der Option, den Grünten zu besteigen.
Die Starzlachklamm – Wildes Wasser bei Sonthofen
Während die meisten Besucher zur berühmten Breitachklamm strömen, bleibt die Starzlachklamm bei Sonthofen ein echter Geheimtipp unter Allgäu-Kennern. Die wilde Schlucht im Oberallgäu beeindruckt mit tosenden Wasserfällen, glatten Felsplatten, die über Jahrmillionen vom Wasser geschliffen wurden, und einer urwüchsigen Atmosphäre, die ihresgleichen sucht. Anders als bei den großen Touristenattraktionen herrscht hier auch in der Hochsaison eine angenehme Ruhe – man hört nur das Rauschen des Wassers und das Zwitschern der Vögel.
Die Klamm liegt eingebettet zwischen dem Grünten und den sanften Hügeln des Oberallgäus. Der Zugang erfolgt über den Sonthofer Ortsteil Winkel, wo ein kleiner Parkplatz den Startpunkt markiert. Von dort führt ein gut ausgebauter Weg in die Schlucht, der mit Treppen, Stegen und Brücken gesichert ist. Die Wegführung ist familienfreundlich, allerdings sollte man festes Schuhwerk tragen, da die Stege teilweise feucht und rutschig sein können.
Der Weg durch die Klamm
Der Klammweg beginnt harmlos auf einem breiten Waldpfad, bevor er nach wenigen Minuten in die Schlucht eintaucht. Sofort ändert sich die Atmosphäre: Die Felswände rücken enger zusammen, das Licht wird diffuser, und das Tosen des Wassers wird lauter. An den engsten Stellen ist die Klamm nur wenige Meter breit, während die Felswände bis zu 50 Meter in die Höhe ragen.
Besonders eindrucksvoll sind die sogenannten Strudellöcher – kreisrunde Vertiefungen im Fels, die durch jahrhundertelanges Wirbeln von Steinen im Wasser entstanden sind. An mehreren Stellen stürzt das Wasser in kleinen Wasserfällen über glatte Felsstufen, und bei entsprechendem Wasserstand kann die Gischt bis auf den Steg spritzen. Ein Erlebnis, das alle Sinne anspricht und das man fotografisch kaum einfangen kann.
Nach etwa 45 Minuten hat man die Klamm durchquert und steht vor der Entscheidung: umkehren und den gleichen Weg zurückgehen, oder die Tour auf den Grünten verlängern. Wir empfehlen dringend Letzteres, denn die Kombination aus Klammwanderung und Gipfeltour macht den Tag zu einem ganz besonderen Erlebnis.
Von der Klamm auf den Grünten
Der Grünten, auch der „Wächter des Allgäus" genannt, erhebt sich mit seinen 1.738 Metern als markanter Einzelberg über dem Alpenvorland. Von seinem Gipfel bietet sich ein fantastischer 360-Grad-Rundblick: Im Süden die schneebedeckten Gipfel der Allgäuer Alpen, im Norden das sanft gewellte Alpenvorland bis zum Bodensee, im Osten die Ammergauer und Lechtaler Alpen, im Westen das Bregenzer Waldgebirge.
Der Aufstieg ab der Klamm führt über die Alpe Obere Schwande, eine bewirtschaftete Alpe, die eine willkommene Einkehrmöglichkeit bietet. Hier gibt es Allgäuer Käse direkt von der Alpe, hausgemachten Kuchen und erfrischende Getränke. Die Alpe liegt auf etwa 1.400 Metern, und der Weg dorthin ist steil aber gut markiert. Von der Alpe sind es noch rund 45 Minuten bis zum Gipfel, wo das historische Grüntenhaus steht – eine der traditionsreichsten Berghütten im Allgäu.
Auf dem Gipfel angekommen, wird man mit einem Panorama belohnt, das an klaren Tagen bis zur Zugspitze im Osten und zum Säntis im Westen reicht. Der Abstieg kann über den gleichen Weg oder alternativ über Rettenberg erfolgen, was eine schöne Rundtour ermöglicht. Die Gesamtgehzeit für Klamm plus Grünten beträgt etwa 5 bis 6 Stunden.
Praktische Informationen
Die Starzlachklamm ist von Mai bis Oktober geöffnet, wobei die genauen Öffnungszeiten wetterabhängig sind. Bei starkem Regen oder Hochwasser wird die Klamm aus Sicherheitsgründen gesperrt. Der Eintritt kostet für Erwachsene rund 3 Euro und für Kinder die Hälfte – deutlich günstiger als in der Breitachklamm. Die Parkplatzsituation am Ortsteil Winkel ist wesentlich entspannter als an den großen Touristenattraktionen, und auch an Wochenenden findet man in der Regel problemlos einen Platz.
Öffnungszeit: Mai bis Oktober (wetterabhängig)
Gehzeit durch die Klamm: ca. 45 Minuten
Gehzeit inkl. Grünten-Gipfel: ca. 5-6 Stunden
Höhenmeter zum Grünten: ca. 900 hm ab Parkplatz
Einkehr: Alpe Obere Schwande, Grüntenhaus
Ausrüstung: Festes Schuhwerk, Regenjacke empfohlen
Unser Tipp: Kombiniere die Klamm mit dem Aufstieg auf den Grünten und plane die Tour für einen Wochentag. Dann hast du die Schlucht fast für dich allein und kannst die Kraft des Wassers in absoluter Ruhe erleben. Ein echter Geheimtipp, der sich in keinem Reiseführer finden lässt.

